Einer meiner Kunden ist ein schwedischer Onlinehändler für Garten- und Gewächshäuser. Außerhalb der Saison liefert er seine Ware mit einem LKW bei mir im Umschlagslager an. Ich verteile sie von dort mit Mitnahmestapler in ganz Deutschland. Das funktioniert, weil das Volumen überschaubar ist und alles auf einen LKW passt.
Sobald die Saison losgeht, verdoppelt bis verdreifacht sich das Volumen. Ausliefern könnte man das auch weiterhin zentral. Aber die Zustellung mit Mitnahmestapler ist der teuerste Teil der Kette — jeder Kilometer auf der letzten Meile zählt.
Wenn das Volumen hoch genug ist, dass die LKWs zu regionalen Hubs voll werden, lohnt sich die Aufteilung: mehr Strecke auf einem normalen LKW, weniger Strecke mit dem teuren Stapler. Also teilt der Kunde die Ware bereits in Schweden auf — Ware für Ostdeutschland geht direkt an einen Partner im Osten. Ware fürs Ruhrgebiet kommt zu mir. Ware für Süddeutschland geht an einen Partner im Süden.
Nach der Saison fahren wir das Ganze wieder zurück auf ein Lager, einen Standort, einen LKW. Bis zum nächsten Frühjahr.
Gleichzeitig ist das saisonale Modell ein Vorgriff auf das, was kommt. Der Kunde rechnet damit, sein Gesamtvolumen in Deutschland in diesem Jahr zu verdoppeln — nicht nur saisonal, sondern dauerhaft. Wenn das eintritt, wird aus der Saisonlösung die Regelstruktur: mehrere regionale Anlaufstellen, kurze letzte Meile, das ganze Jahr über. Was heute die Antwort auf die Hochphase ist, wird morgen die permanente Distribution.
Das funktioniert — aber nur, weil die Struktur von Anfang an flexibel angelegt ist. Wir müssen nichts Neues erfinden, wenn das Volumen steigt. Wir müssen nur hochskalieren, was bereits da ist. Und weil ich Partner habe, die ich dazuschalten kann, ohne jedes Mal von vorne anzufangen. Wer seine Supply Chain starr aufbaut, zahlt entweder das ganze Jahr über zu viel — oder kommt in der Hochphase nicht hinterher.