+49 151 25149704 Audioguide Kundenportal Kontakt
Für Versender

Verpackung — zwischen Transportschaden und unnötigen Kosten

Lesezeit ca. 4 Minuten

Dieser Beitrag lässt sich im Grunde in einem Satz zusammenfassen: Das Transportgut muss transportsicher verpackt sein. Fertig. Artikel Ende.

Aber wenn es so einfach wäre, hätte ich nicht regelmäßig Fälle auf dem Tisch, in denen Ware beschädigt ankommt — und der Versender hinterher feststellt, dass weder die Versicherung noch der Spediteur zahlt, weil die Verpackung nicht gepasst hat.

Transportsicher verpacken heißt nicht: viel Folie drumwickeln. Es heißt: wissen, was auf dem Transportweg passiert, und die Verpackung darauf abstimmen.

Wer haftet, wenn die Verpackung nicht reicht

Die Verantwortung für die transportsichere Verpackung liegt beim Versender. Nicht beim Spediteur, nicht beim Paketdienst, nicht beim Fahrer. Beim Versender.

Das bedeutet: Wenn Ware beschädigt ankommt und die Verpackung nach Einschätzung der Versicherung oder des Spediteurs nicht ausreichend war, zahlt niemand. Keine Haftung, keine Versicherungsleistung, keine Erstattung. Die Beweislast liegt in der Praxis schnell beim Absender — und „ich habe es doch eingewickelt" reicht nicht.

Dazu kommen die Folgekosten, die in keiner Schadensstatistik stehen: Ersatzlieferungen, erneuter Versand, Retouren, unzufriedene Kunden. Eine Ersatzlieferung kostet mindestens den doppelten Versand plus die Ware selbst. Wer am Ende des Jahres 20.000 Euro Transportschäden zusammenrechnet, sollte sich fragen, wie viel er am Versand wirklich gespart hat.

Wenn die Verpackung nicht passt, zahlt weder die Versicherung noch der Spediteur. Die Kosten bleiben bei Ihnen — plus die Ersatzlieferung.

Die Verpackung muss zum Weg passen

Was transportsicher bedeutet, hängt davon ab, welchen Weg die Ware nimmt.

Per Seefracht in einem Container muss die Ware im Container gesichert sein — mit Zurrgurten, Luftpolstersäcken, Stauholz. Große Maschinenteile, die nicht im Container reisen, brauchen Seekisten aus Holz. Der Seeweg bedeutet Bewegung, Feuchtigkeit, Erschütterungen über Wochen. Was auf einem LKW innerhalb Deutschlands hält, hält auf dem Atlantik nicht zwangsläufig.

Per LKW im Stückgut oder als Komplettladung muss die Ware sauber auf der Palette stehen, gewickelt, gesichert, kantenstabil. Sie wird umgeladen, gestapelt, mit dem Stapler bewegt. Was über die Palette hinausragt, hat keinen Schutz.

Per Paketdienst muss die Ware innerhalb des Kartons fixiert sein — so, dass sie nicht verrutschen und nicht brechen kann. Und zwar auch dann, wenn das Paket aus Brusthöhe runterfällt. Denn das passiert. Ein Paketbote, der bei Regen ein 30 Kilo schweres Paket mit den Maßen 120 mal 50 Zentimeter tragen muss — da kann ein Paket schnell mal aus der Hand rutschen.

Verpackung ist keine Standardlösung. Seecontainer, Stückgut und Paketdienst stellen völlig unterschiedliche Anforderungen.

Die Rechnung, die die meisten falsch aufstellen

Viele Versender vergleichen nur die Versandkosten: Paket kostet X Euro, Stückgut kostet Y Euro, also nehme ich das Günstigere. Aber die Versandkosten sind nur ein Teil der Rechnung.

Ich kenne Fälle, in denen drei Quadratmeter Luftpolsterfolie in ein einzelnes Paket gepackt wurden, um die Ware zu sichern. Dazu zwanzig Minuten Arbeitszeit fürs Verpacken. Material plus Arbeitszeit — und am Ende landet man beim fast gleichen Preis wie ein Stückgutversand auf einer Palette, bei dem die Verpackung ein Bruchteil kostet und die Ware deutlich besser geschützt ist.

Gerade bei empfindlichen Produkten — Holzwaren zum Beispiel, die links und rechts keinen Schutz vertragen — kann es sinnvoller sein, zehn bis fünfzehn Euro mehr für den Stückgutversand zu bezahlen und dafür eine einfachere Verpackung zu nehmen. Weniger Aufwand, weniger Risiko, weniger Schäden.

Nicht der günstigste Versandpreis zählt. Sondern die Gesamtkosten: Verpackung, Arbeitszeit, Versand, Schäden und Retouren zusammen.

Nicht immer die Europalette

Ein Punkt, den viele Versender nicht auf dem Schirm haben: Man muss nicht immer eine Europalette nehmen. Es gibt Halbpaletten und Viertelpaletten, die bei kleineren Sendungen günstiger im Versand sind — weil die Fracht nach Lademetern berechnet wird und eine halbe Palette eben nur den halben Platz einnimmt.

Genauso wichtig: Die Palette muss zur Ware passen. Wenn die Ware 1,20 Meter lang ist und die Europalette auch 1,20 Meter lang ist, ragt die Ware an beiden Seiten bündig ab — kein Millimeter Schutz vor dem Stapler. Ein Staplerzinken, der zwei Zentimeter zu weit greift, beschädigt die Ware.

Ich habe für genau diesen Fall Paletten angeschafft, die 1,25 auf 0,85 Meter messen. Damit hat die Ware an jeder Seite zwei Zentimeter Luft. Ein kleines Detail, aber es verhindert Schäden, die sonst regelmäßig passieren.

Die richtige Palette schützt genauso wie die richtige Verpackung. Beides muss zur Ware passen — nicht umgekehrt.

Den richtigen Versandweg wählen

Die Frage, ob ein Produkt als Paket, als Stückgut oder als Komplettladung verschickt wird, ist keine reine Preisfrage. Es ist eine Frage des Produktschutzes.

Große, sperrige Kartons, die an die Gewichts- und Maßgrenzen des Paketdienstes rangehen, sind dort nicht unbedingt gut aufgehoben. Der Paketdienst ist auf kleine, handliche Sendungen ausgelegt — nicht auf 30-Kilo-Pakete, die kaum noch tragbar sind.

Und wer empfindliche Ware für den günstigsten Preis durch den härtesten Versandweg schickt, spart am Versand und zahlt bei den Schäden drauf. Die Rechnung geht nur auf, wenn man alle Kosten einbezieht — inklusive der Retouren und Ersatzlieferungen, die man sich mit dem richtigen Versandweg hätte sparen können.

Die Frage ist nicht: Was kostet der Versand? Die Frage ist: Was kostet es mich, wenn die Ware nicht ankommt?
Nächster Beitrag
Letzte Meile B2B — Rampe, Zeitfenster und was dazwischen schiefgehen kann
Ein anderes Verständnis von Spedition

LogistikStudio 04

Minden, Ostwestfalen

Gespräch beginnen